Der Islam und der Generalverdacht. – Einige Gedanken zur deutschen Islamismus-Hysterie und zu deren Instrumentalisierung.

„Eine Integration des Islam in die deutsche Gesellschaft sei derzeit kaum denkbar“ (Alexander Gauland/AfD)

http://www.n-tv.de/politik/Gauland-erklaert-die-Aengste-der-Deutschen-article14378856.html
http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/gauland-islam-gehoert-fruehestens-in-200-jahren-zu-deutschland-44bf2-5f19-20-2186807.html
http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-05-2015-gauland-es-werden-200-jahre-vergehen-bis-der-islam-zu-deutschland-gehoert_id_4425379.html

Die folgenden Zeilen möchte ich als Person schreiben, die sich über Jahre und als praktizierender Muslim innerhalb der islamischen Gemeinde Deutschlands aufgehalten und in dieser gelebt hat. – Was mich persönlich auch immer bewogen haben sollte, mich nicht mehr als praktizierenden Muslim zu betrachten, kann mich nicht daran hindern, die islamische Gemeinde in Deutschland IN IHRER ALLGEMEINHEIT vor den momentanen Religionsfeindlichen, volksverhetzenden, verallgemeinernden, diffamierenden und „fachlich“ abstrusen Anfeindungen zu verteidigen.

Der lediglich als wirr und volksverhetzend zu bezeichnenden Aussage, dass die Religion Islam vorgeblich nicht zu Deutschland gehöre, widersprechen allein die unumstößlichen Fakten, dass in Deutschland friedlich seit Jahrzehnten Muslime leben, dass ihnen das Recht der freien Religionsausübung zusteht, und dass sich diese Religion „Islam“ nennt. – Überdies existieren keinerlei juristische Vorgaben oder Zwänge für Nichtmuslime, zum Islam zu konvertieren, geschweige davon, dass es vorgeblich durch die hier lebenden Muslime zu einer „Endchristianisierung“ der vorherrschenden Sitten und Bräuche käme, wobei wohl auf die paranoide Schauermär vom, offenbar verschwörerischen, „Verbot“ des Weihnachtsfestes etc. zu verweisen wäre.

Hinsichtlich des Begriffes „Integration“ steht wohl außer Zweifel, dass Flüchtlinge und Einwanderer die deutsche Sprache erlernen sollten bzw. müssten, sofern ihr Status anerkannt wird und sie somit deutsche Staatsbürger und Teil der Bevölkerung der Bundesrepublik werden, deren Amtssprache deutsch ist; in wie weit aber ein Herr Gauland eine darüber hinaus gehende Integration erwünscht, bleibt hinsichtlich seiner Aussagen zu einem 200jährigen Zeitraum äußerst diffus, da wohl davon auszugehen ist, dass hier lebende Muslime nicht nur bereits deutsch sprechen, sondern auch zu erwarten wäre, dass Muslime, Einwanderer und Flüchtlinge keine 200 Jahre benötigen, um die deutsche Sprache zu erlernen. – Es könnte auch nicht Herrn Gauland`s ernst seien, in allen Muslimen, Einwanderern oder Flüchtlingen die Fortsetzung einer für ihn wohl anhaltenden, offenbar spezifisch deutschen, „Kulturlinie“ sehen zu wollen, die da wohl im Besuch des „Münchner Oktoberfestes“ etc. zu münden hätte. – Es liegt nun einmal in der Natur der Sache einer Religionsfreiheit, sich eben NICHT an allen Dingen beteiligen oder für deren Teilnahme 200 Jahre lernen zu müssen. Der Fakt bleibt bestehen, dass Muslime in Deutschland leben, arbeiten, hier ihre Steuern bezahlen und ansonsten ihrer Religion nachgehen können.

Ein Verweis auf die barbarischen Akte islamistischer Terroristen, rechtfertigt nicht im Geringsten die ständige Indoktrination der Bevölkerung, dass die in Deutschland lebenden Muslime einer Scharia anhängen, für diese kämpfen oder sich verfassungsfeindlich verhalten und eine Gefahr darstellen würden. – Auch ist die Moschee grundsätzlich kein konspirativer Ort, sondern ein für JEDEN Islaminteressierten und Muslim offenstehender Gebetsplatz, an dem gemeinschaftlich gebetet, gegessen und sich über den durchaus profanen Arbeitsalltag etc. ausgetauscht wird. – Es wird dort eingekauft, Tee getrunken; es spielen dort Kinder der anwesenden Familien und es ist dort für die islamische Gemeinde kein Platz für auf Gewalttätigkeit abzielende, traditionalistisch-islamistische Propaganda. Ich habe zu keinem Zeitpunkt – wobei ich diesbezüglich nur für meine Person sprechen kann – einen Imam (Vorsteher der Gemeinde) oder Vorbeter erlebt, der offen vor der Gemeinde zu Gewalttätigkeit aufgestachelt oder aufgerufen hätte. Überdies ist es im Islam ein „ungeschriebenes Gesetz“, dass in jeder Moschee sich nicht zu politischen Dingen geäußert wird, um dadurch nicht die pure Gottesandacht mit „irdischen Dingen“ zu verwässern. Dessen ungeachtet, ist es gerade diese ungezwungene, durchaus „familiäre“, Offenheit innerhalb der islamischen Gemeinde (Umma), die es Anwerbern und Rekrutierern erleichtert, sich unter die Muslime zu mischen und Ausschau nach anfälligen bzw. beeinflussbaren Personen zu halten, die sich durchaus und immer auch in Gebetshäusern oder Vereinsgebäuden zusammenfinden, um dort gemeinsam und im kleinen Kreis den Koran, die Hadithe oder Fatwas zu interpretieren und auszulegen. – Und diesbezüglich ist es „dem“ Islam und „den“ Muslimen, speziell in Europa (da sie hier leben, hier geboren wurden und sich der Gesellschaft nicht gänzlich entziehen können), eben NICHT zu eigen, grundsätzlich die – durchaus auch als archaisch anzusehenden – Suren im Koran beim Worte zu nehmen, sondern sie als Gleichnisse zu deuten und sich der weiterführenden, oftmals widersprechenden, Exegese zu befleissigen oder aus Gründen des Pragmatismus einen Imam zu befragen. Welche metaphysische und friedliche Tiefe eigentlich im islamischen Gottesbild liegt und eine Scharia ausschließen müsste, kann Jeder Interessierte folgenden Ausführungen und deren weiterführenden Verweisen entnehmen:

http://plato.stanford.edu/entries/arabic-islamic-natural/
http://de.wikipedia.org/wiki/Dschalal_ad-Din_ar-Rumi
http://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna

…wobei die Literatur zum Islam unerschöpflich ist. Ich möchte diesbezüglich für mich selbst mutmaßen, dass u.A. ein Herr Gauland intellektuell gar nicht befähigt ist, mehr als nur sein eigenes eingeschränktes und apostrophiertes Muslim-Bild wahrzunehmen, wiederum gänzlich davon zu schweigen, in welchen Kreisen er verkehrt.

Es sind meiner Ansicht nach NICHT die wahnwitzigen islamistischen Großmäuler vom Schlage eines Pierre Vogel, die da vorgeblich wohl ganze Busladungen voller Dschihadisten an die IS-„Front“ schicken, da einem bereits der gesunde Menschenverstand sagen müsste, dass ganze Heerscharen von Geheimdiensten u.A. an den Lippen und Hacken eines Mannes hängen, der tagtäglich – in seinem Bezug auf islamistische Terroristen und pervertierte Mörderbanden in ihrer steinzeitlichen Islam-„Interpretation“ – den Hass und die Gewalt im selbsternannten Namen einer Weltreligion predigt. Der sog. „IS“ wird seine Kämpfer, unter der Ägide von islamistischen Stammes-Klans Vorort, aus einem Heer traditionalistisch-geprägter und „alternativlosen“ Jugendlichen speisen können, und nicht durch einen schreienden und öffentlich zu Gewalt aufrufenden Pierre Vogel. – Die Gefahr für die deutschen Geheimdienste wird wohl weniger in einem sichtbaren Pierre Vogel und seinem verwirrten Haufen, denn in dem liegen, was sie (die Geheimdienste) NICHT sehen: den sich ggf. „integriert“ gebenden Muslim als Terroristenanwerber – und in diesem Fall ist selbstverständlich die Moschee, die islamische Gemeinde und speziell der Imam gefordert, darauf zu achten, dass die an sich friedliche Moschee-Gemeinde nicht unterwandert wird; ein Problem, auf dass die Islamischen Gemeinden selber hinweisen.

Die unberechtigte Hysterie weiter Teile der Bevölkerung vor einer vorgeblichen „Islamisierung“ (eine wirre Kolportage syrisch-irakisch-maghribinischer Zustände in deutsche Städte, vermengt mit dem Thema „Ausländerkriminalität“, „Überfremdung“, siehe „Pegida“ etc.), geschürt durch verantwortungslose Politiker und Teile der Sicherheitsbehörden, haben inzwischen zu einer Situation geführt, die massiv die innere Sicherheit des Landes gefährdet und auf einen Bürgerkrieg, speziell im Osten des Landes, hinsteuert. Hinzu kommt ein NICHT mehr zu bewältigender und zu ahndender Anstieg von Straftaten: von der Volksverhetzung bis hin zum öffentlichen Aufruf zu Straftaten. Die Leidtragenden sind nicht nur die Muslime, sondern die gesamte engagierte Zivilgesellschaft, die zynisch zu „volksfeindlichen Gutmenschen“ deklariert wird. – Man kann hinsichtlich dieser Lage inzwischen durchaus von einer Faschistoisierung der Gesellschaft reden, auch wenn sich das Problem momentan noch auf die „neuen Bundesländer“ beschränkt. Man muss dies so deutlich formulieren: Weite Teile der Bevölkerung sind dort NICHT mehr bildungsfähig und erliegen der Propaganda von Neonazis.

25.01.15

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